Gedenkstunde
81 Jahre Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 2026 in der Paulskirche Frankfurt am Main
Am Dienstag, 27. Januar, erinnerte die Stadt Frankfurt mit einer Gedenkstunde in der Paulskirche an die Opfer des Nationalsozialismus.
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Eine Auswahl der Roma und Sinti Philharmoniker umrahmte die Gedenkstunde musikalisch. Dabei erklangen Maurice Ravels "Tzigane" in der Bearbeitung für Violine und Streichorchester, „Torontoi Emlek“ von Sandor Jaroka jun. in der Bearbeitung für Streichorchester von Roger Moreno-Rathgeb sowie „Erinnerung“ von Stanko Sepic.
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Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag von Silas B. R. Kropf mit dem Titel „Geschichte, die bleibt: Wie historische Erfahrungen die Gegenwart von Sinti und Roma prägen“. Kropf ist Vorsitzender der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus und freiberuflicher Referent für Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement.
Für den Magistrat der Stadt Frankfurt begrüßte Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, die Anwesenden: „Mit der Befreiung von Auschwitz und der Kapitulation Nazi-Deutschlands wurde zwar die nationalsozialistische Mordmaschinerie gestoppt. Hass und Rassismus blieb aber vielerorts in den Köpfen, ein Unrechtsbewusstsein war trotz der Monstrosität der Verbrechen in der deutschen Bevölkerung oft kaum vorhanden.“
In Frankfurt, erinnerte Hartwig, wurden etwa nach dem Krieg leitende Funktionen im Stadtgesundheitsamt an die Täter Robert Ritter und Eva Justin vergeben, obwohl beide maßgeblich an Zwangskastrationen und medizinischen Experimenten an Sinti und Roma beteiligt waren. Ein Prozess gegen Ritter wegen seiner Verbrechen Anfang der 1950er Jahre endete mit der Einstellung des Verfahrens, auch wegen der antiziganistischen Haltung des zuständigen Staatsanwalts.
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee befreit. Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 offizieller Gedenktag in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2004 auf Beschluss der Generalversammlung der Vereinten Nationen auch Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
„Es ist alarmierend, dass im Deutschland der Gegenwart rassistische, antisemitische und antiziganistische Erzählungen wieder in den öffentlichen Diskurs drängen. In diesem Zusammenhang werden aktuell häufig Vergleiche zur Endphase der Weimarer Republik und dem Aufstieg des Nationalsozialismus gezogen. Tatsächlich finden sich Parallelen. Doch wir sollten uns nicht zu sehr auf diese vermeintliche historische Analogie fokussieren. Denn vielleicht werden die Kräfte des wieder erstarkenden Hasses und der Menschenverachtung auch in Zukunft nicht mit schwarzen Stiefeln und braunen Hemden durch die Straßen marschieren oder offen die Einrichtung von Lagern für die von ihnen diffamierten Menschengruppen fordern. Den Trugschluss, sie seien daher weniger gefährlich, sollten und können wir uns nicht leisten“, schloss Hartwig die Veranstaltung.
Im Anschluss an die Gedenkstunde wurde ein Kranz am Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft niedergelegt.

















