Das „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau

 

Vom Februar 1943 an wurden nahezu 23.000 Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt. Der größte Teil stammte aus dem Reichsgebiet: über 13.000 Frauen, Männer und Kinder. Die in Auschwitz-Birkenau eintreffenden Sinti- und Roma-Familien wurden im Lagerabschnitt B II e inhaftiert, der von der SS als „Zigeunerlager” bezeichnet wurde. Bis zu 800 Menschen wurden in einer Baracke zusammengepfercht. Der gesamte Lagerabschnitt war mit einem elektrisch geladenen Stacheldraht umgeben. 

Von allen Lagern des KZ Auschwitz hatte das „Zigeunerlager” die höchste Todesrate. 19.300 Menschen fielen dieser Vernichtungsmaschinerie zum Opfer; 5.600 wurden vergast; 13.700 erlagen dem Hunger, den Krankheiten, Seuchen und medizinischen Experimenten. Nach Selektionen durch die SS wurden im Frühjahr und Sommer 1944 etwa 3.000 Sinti und Roma zur „Vernichtung durch Arbeit” in andere Konzentrationslager deportiert. In Auschwitz blieben etwa 4.300 Menschen zurück, vor allem Alte, Frauen und Kinder. Sie alle ermordete die SS in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 in den Gaskammern.

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Die Streicher der Roma und Sinti Philharmoniker bei der Gedenkveranstaltung am Mahnmal des sogenannten "Zigeunerlagers" im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau im Jahr 2019
Video von der Kranzniederlegung am 2. August 2019 am Mahnmal der im "Zigeunerlager" von Auschwitz ermorderten Roma und Sinti, dazu die Roma und Sinti Philharmoniker und Geza Hosszu-Legocky mit dem musikalischen Hauptthema aus "Schindlers Liste"
Ein symbolisch bedeutsamer Moment am 2. August 2019 am Mahnmal des sogenannten "Zigeunerlagers" in Auschwitz-Birkenau: Der US-amerikanische Menschenrechtler Jessy Jackson (Mitte) gemeinsam mit Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (Zweiter von rechts), daneben Roses Stellvertreter Oswald Marschall sowie auf der anderen Seite von Jessy Jackson Roman Kwiatkowski vom Verein der Roma in Polen. 

Aufruf von Auschwitz


Anläßlich des 75. Jahrestages des 2. August 1944, des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma, 2. August 2019

 

Heute vor 75 Jahren wurden die letzten 4.300 noch in Auschwitz-Birkenau lebenden Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet. Auschwitz symbolisiert den Holocaust an den 500.000 Sinti und Roma ebenso wie an den sechs Millionen Juden in Europa. Auschwitz ist das Gewissen der Wertegemeinschaft demokratischer Staaten. Erstmals appellieren die Repräsentanten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma und der vielen Roma-Organisationen in Europa gemeinsam von diesem Ort aus an die Regierungen der Weltgemeinschaft und an die überstaatlichen Organisationen, jede Form von Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus konsequent zu bekämpfen. Wir fordern die Parlamentarier in den in den nationalen Parlamenten, im Europäischen Parlament und den parlamentarischen Versammlungen der internationalen Organisationen auf, eine interparlamentarische Koalition gegen Antiziganismus zu schließen, um der Ursache von Flucht und Ausgrenzung entgegenzutreten.


Gemeinsam fordern wir politische und soziale Gerechtigkeit und damit Würde für alle unsere Menschen. Wir fordern von der Staatengemeinschaft die tatsächliche Anerkennung von Minderheitenrechten, die umgesetzt werden müssen im Zugang zu Bildung und Arbeit, zu Wohnen und Gesundheit. Sinti und Roma brauchen in Europa ein Museum der Geschichte von Sinti und Roma, so wie es in den Vereinigten Staaten das Nationale Museum der Afrikanisch Amerikanischen Geschichte und Kultur gibt.


Wir alle müssen das Vermächtnis der Millionen Opfer aufnehmen, wir alle müssen die moralischen und ethischen Werte unserer Demokratie immer wieder neu ins Zentrum unsres Handelns stellen und wir müssen gemeinsam und weltweit für Demokratie und Rechtstaat, für unsere humanen Werte, einstehen.


Erstunterzeichner
Reverend Jesse L. Jackson Sen., Rainbow/PUSH Coalition
Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Roman Kwiatkowski, Verein der Roma in Polen

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Roma und Sinti Philharmoniker

Riccardo M Sahiti riccardomsahiti@rsphil.eu

Mobil: +49 152 29 22 5488

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Phiharmonischer Verein der Sinti und Roma Frankfurt am Main

Niddastraße 66-68   60329 Frankfurt am Main

 

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